Wissen & Technik Biontech-CEO Ugur Sahin über den Corona-Impfstoff: "Wir haben unser Projekt 'Lightspeed' genannt, um klarzumachen: Wir vergeuden keine Zeit"

18:25  18 oktober  2020
18:25  18 oktober  2020 Quelle:   businessinsider.de

Aktien von Pfizer drehen ins Plus, BioNTech-Papier schießt hoch: Pfizer und BioNTech melden Erfolg bei Corona-Impfstoff

  Aktien von Pfizer drehen ins Plus, BioNTech-Papier schießt hoch: Pfizer und BioNTech melden Erfolg bei Corona-Impfstoff Pfizer und BioNTech haben in einer laufenden Phase-1-Studie in den USA einen Erfolg ihres Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus erzielt. © Bereitgestellt von Finanzen.net Thomas Lohnes/Getty Images Die Forschungspartner Pfizer und BioNTech kommen bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Sars-Cov-2-Virus eigenen Aussagen zufolge voran. Weitere Daten aus einer Studie der frühen Phase I mit dem Wirkstoffkandidaten BNT162b2 seien positiv ausgefallen, teilten der US-Pharmakonzern und das Mainzer Biotechunternehmen am Donnerstagabend gemeinsam mit.

Gegenüber der WirtschaftsWoche positionierte sich Biontech -Mitgründer und CEO Ugur Sahin dazu sehr klar: „ Wir wollen bei der Entwicklung eines Impfstoffs Auf der Liste der Unterzeichner fehlt etwa das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac, dass einen Corona - Impfstoff ebenfalls bereits an

Ugur Sahin neigt nicht zu Übertreibungen. Als Experte für Krebserkrankungen wählt der Chef des Mainzer Biotechunternehmens Biontech seine Worte mit Bedacht. Doch als der Mediziner Anfang des Jahres eine Studie von chinesischen Kollegen las, die von einer rätselhaften, ansteckenden Krankheit

In den kommenden Wochen wird es aufregend für die Mainzer Firma Biontech und ihren Partner, den US-Pharmariesen Pfizer. Ihre Phase III Studie — der letzte Schritt vor einer potenziellen Notfallzulassung ihres gemeinsam entwickelten Covid-19-Impfstoffes — läuft. Gleichzeitig soll jetzt, Mitte Oktober, in den USA erstmals eine Zwischenanalyse der Daten erfolgen, durch ein vertrauliches Fach-Gremium, das Data and Safety Monitoring Board. Erkennen die Experten hier, dass der Impfstoff wirksam ist, stünde einer baldigen Notfallzulassung nicht mehr viel im Wege.

Wie bald das wäre, darum gab es im Vorfeld viel Tumult. US-Präsident Donald Trump drängte auf eine Notfallzulassung durch die Arzneimittel-Behörde FDA noch vor den US-Wahlen am 3. November 2020. Die FDA wiederum bestand auf zwei Monate zusätzlicher Daten zur Verträglichkeit des Impfstoffes. Gerade hat Pfizer den Spekulationen nun ein Ende gesetzt: In einem offenen Brief schrieb CEO Albert Bouria am 16. Oktober, dass aufgrund der erforderlichen Daten zur Sicherheit des Impfstoffes die Grundlage für eine Notfallzulassung erst in der dritten Novemberwoche geschaffen sein wird.

Sila Sahin: Über ihr Kochbuch, Rezepte aus ihrer Kindheit & Kochen in schlaflosen Nächten

  Sila Sahin: Über ihr Kochbuch, Rezepte aus ihrer Kindheit & Kochen in schlaflosen Nächten Zweifachmama Sila Sahin (34) ist nun nicht mehr nur Schauspielerin, sondern auch noch Autorin. Die schöne Deutsch-Türkin hat ein Kochbuch geschrieben. In "Silas Orientküche" vereint sie das Beste aus ihrer Kindheit zum Nachkochen. Lecker! Als sie ihr Buch im Berliner Hotel de Rome in kleiner Runde bei köstlichen Häppchen vorstellte, war BUNTE.de mit dabei. Nach der ersten Aufregung sprachen wir mit der stolzen Autorin über Kochen, Kinder und die kulinarischen Künste von Gatte Samuel Radlinger (27). Ex-GZSZ-Star Sila Sahin: Süßer Moment: Sohn Elija bringt seinem Bruder das Fläschchen BUNTE.

HINTERGRUND: Arzneimittelentwicklung in Zeiten der Corona -Krise. Über die Hunderte von Projekten gegen andere Krankheiten wird deshalb aktuell wenig berichtet. In Deutschland laufen Studien der Unternehmen Vakzine Projekt Management (Deutschland) und Serum Institute of India

„Ich glaube, unser Impfstoff ist nahezu perfekt“, sagte Biontech - CEO Ugur Sahin dem US-Fernsehsender CNN. Das Duell Curevac gegen Biontech ist auch ein Duell von Hopp gegen Sahin . Überdies unterstützt neben der EU-Kommission, die Bundesregierung beide Projekte mit

Auch wenn es also keinen Impfstoff vor der US-Wahl geben wird: Der Impfstoff von Pfizer und Biontech könnte — abgesehen vom umstrittenen russischen Impfstoff — der erste gegen Covid-19 weltweit sein, der zugelassen wird. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat vor einigen Tagen ebenfalls den Zulassungsprozess für den Wirkstoff namens BNT162b2 gestartet, in einem sogenannten Rolling-Review — eingeführt für besonders dringliche Zulassungsverfahren. So können Teile des Antrags zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit des Impfstoffes schon vor der kompletten Antragstellung eingereicht und bewertet werden. Solange, bis genügend Daten für einen formellen Zulassungsantrag vorhanden sind.

Im Gespräch mit Business Insider erklärt Biontech CEO Ugur Sahin, wie er an die Impfstoffentwicklung herangegangen ist und wie Biontech es geschafft hat, so schnell zu sein — ohne unkalkulierbare Risiken dabei einzugehen. Er spricht über die Herausforderungen, die für die Entwicklung des Impfstoffes entscheidend waren und überwunden werden mussten — und darüber, wann er sich selbst impfen lassen würde.

Biontech will Werk für Impfstoffproduktion übernehmen

  Biontech will Werk für Impfstoffproduktion übernehmen Ist endlich ein Corona-Impfstoff gefunden, muss es schnell in großen Mengen produziert und verteilt werden. Die Mainzer Firma Biontech rüstet sich und übernimmt dafür eine Produktionsstätte von Novartis.Das Geschäft soll noch vor Jahresende abgeschlossen werden, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Biontech plant unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung, in dem Werk bereits im ersten Halbjahr bis zu 250 Millionen Dosen des möglichen Impfstoffs herstellen zu können. In dem Werk in Marburg sind den Angaben zufolge rund 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Das sagte Biontech - CEO Ugur Sahin dem „Wall Street Journal“. Die deutsche Biotechnologie-Firma Biontech will schon im Dezember die Genehmigung für einen gemeinsam mit dem Corona -Lage im Herbst: Was die Zahlen uns jetzt verraten, womit wir rechnen müssen und worauf wir hoffen dürfen.

Corona - Impfstoff aus Russland: So soll er heißen und darum wird Kritik laut. Auch Biontech mit Sitz in Mainz forscht an einem genbasierten Impfstoff, Ende April starteten die ersten Solange kein Wirkstoff gefunden und zugelassen ist, dürften uns die Beschränkungen in der Corona -Pandemie

Business Insider: Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind zehn Monate gegangen. Es waren turbulente Monate — für Sie sicher noch einmal in besonderem Maße. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie von dem Virus in Wuhan hörten?

Ugur Sahin: Ich hatte einen Artikel im Fachmagazin „The Lancet“ gelesen über das neue Virus, das war am 24. Januar 2020. Ich war sofort alarmiert, dass dieser Ausbruch sich nicht auf China beschränken würde, sondern zur weltweiten Pandemie werden könnte. Dieser Moment war ausschlaggebend für einen Masterplan, um mit der Entwicklung eines Impfstoffes zu beginnen — und diesen global zugänglich zu machen.

BI: Sind Sie sofort an die Arbeit gegangen, um einen Impfstoff zu entwickeln? Der Biontech-Impfstoff war der erste, der in Deutschland vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Freigabe für klinische Studien am Menschen bekam. Erzählen Sie uns, warum es so schnell ging.

Corona-Impfstoff: Biontech baut Kapazität aus

  Corona-Impfstoff: Biontech baut Kapazität aus Noch gibt es keinen Impfstoff gegen Corona. Doch wenn er einmal ist, soll er auch massenhaft produziert werden können. Dafür kauft die Pharmafirma Biontech jetzt ein Werk mit großer und langer Tradition. © picture alliance/dpa Provided by Deutsche Welle Für die Herstellung eines möglichen Corona-Impfstoffs will das Mainzer Unternehmen Biontech von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis dessen Produktionsstätte in Marburg übernehmen. Das Geschäft soll noch vor Jahresende abgeschlossen werden und die Impfstoffproduktion in wenigen Wochen starten, wie das Unternehmen in einer Pressekonferenz mitteilte.

„Ich glaube, unser Impfstoff ist nahezu perfekt“, sagte Biontech - CEO Ugur Sahin dem Sahin ist das Gesicht von Biontech. Hinter ihm stehen mit den Zwillingen Thomas und Andreas Strüngmann zwei Die übrigen deutschen Impfstoff - Projekte stecken noch in früheren Entwicklungsstadien.

Bei der Entwicklung eines Corona - Impfstoffs liefern sich China, USA, Russland und Europa ein Wettrennen. Es geht um internationales Ansehen und um Einfluss. Wer auch immer sich vorne sieht: An Indien kommt niemand vorbei. Das Land ist der mächtigste Akteur in diesem Kampf.

Sahin: Ja, normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffes gute zehn Jahre. Als wir mit der Arbeit loslegten, haben wir deshalb überlegt, wie wir diesen Prozess beschleunigen können — ohne Abkürzungen zu nehmen. Inzwischen haben wir mit unserer mRNA-Technologie, auf der unser entwickelter Impfstoff basiert, die Möglichkeit, einen Impfstoff innerhalb weniger Wochen zu entwickeln und für die Testung zu produzieren. Wir haben durch unsere Forschung und Entwicklung von Krebsvakzinen jahrzehntelange Erfahrung damit. Wir wussten also, dass wir das können. Hinzu kamen klinische Tests in sehr großem Umfang. Daher war klar: Auch wenn wir einen Impfstoffkandidaten in nur wenigen Wochen herstellen können, so werden die klinischen Tests eine Weile dauern, weil wir dafür zehntausenden Menschen den Impfstoff verabreichen müssen.

BI: Wann kam der US-Partner Pfizer mit ins Boot?

Sahin: Genau hier. Für ein so großes Projekt braucht man Partner an seiner Seite — und deshalb haben wir uns zur Zusammenarbeit mit unseren Kollegen von Pfizer entschlossen. Auf diese Weise konnten wir unsere innovative mRNA-Technologie kombinieren mit der routinierten Erfahrung in der klinischen Testung und weltweiten Produktion beziehungsweise dem Vertrieb, die ein Pharma-Riese wie Pfizer mitbringt. Insgesamt haben 1.000 Leute auf beiden Seiten zusammen daran gearbeitet, den Impfstoff zu entwickeln, zu testen und auch die Produktion kontinuierlich auszubauen. Grundsätzlich wussten wir, dass unser ambitionierter Zeitplan machbar ist. Wir haben unser Projekt "Lightspeed" genannt, um klarzumachen: Wir vergeuden keine Zeit. Auch dank eines gleichgesinnten Partners wie Pfizer war es möglich, die Zeit der Entwicklung so kurz zu halten. Wir haben von Anfang an gesagt: Im letzten Quartal von 2020 wollen wir die klinischen Studien so weit haben, dass wir die entscheidenden Daten sammeln können. Wenn alles gut geht, werden wir dieses Versprechen halten können.

Corona-Countdown: Der Biontech-Impfstoff liegt international vorn — diese 3 Hürden muss er noch nehmen

  Corona-Countdown: Der Biontech-Impfstoff liegt international vorn — diese 3 Hürden muss er noch nehmen Die Biotech-Firma von CEO Ugur Sahin ist zusammen mit ihrem US-Partner Pfizer am weitesten fortgeschritten mit einem Corona-Impfstoff.Nun ist es ein Wettlauf gegen die Zeit: Wer wird schneller sein, der lange Winter oder die Forscher mit ihren heilsbringenden Corona-Impfstoffen? Die Mitarbeiter von Biontech befinden sich jetzt auf der Zielgeraden, wenige Wochen vor einer möglichen Zulassung des weltweit ersten Impfstoffs gegen Covid-19 — wenn man von der frühzeitigen Zulassung des russischen Impfstoffs "Sputnik" absieht, der international sehr kritisch gesehen wird.

Was wissen wir über das Corona Virus. Da so schnell kein Impfstoff vorliegen dürfte, wäre dieser Punkt nach Einschätzung vieler deutscher Experten erst dann erreicht, wenn sich 60 Biontech -Chef Sahin ist optimistisch: Sein Unternehmen werde voraussichtlich Anfang 2021 sogar mehr Impfstoff …

Erinnern wir uns an die russischen "Vergehen" gegen den Westen in den letzten Jahren Die Corona -Krise bietet dafür die beste Gelegenheit, denn sie trifft die Menschen an ihrer Die Betreiber sozialer Medien bekommen bislang namentlich nicht genannte "Berater" an ihre Seite, die ihnen

BI: Sie haben Ihr gesamtes Leben der Forschung gewidmet und sich dabei bis vor kurzem vor allem mit Krebsvakzinen beschäftigt, wie Sie eben sagten. Inwiefern war die Umstellung auf den Corona-Impfstoff neu und herausfordernd?

Sahin: Natürlich war es neu. Wir sind Krebsexperten und ich bin kein Virologe. Wir haben aber Virologen im Unternehmen. Und zusammen haben wir uns erstmal hingesetzt und versucht, zu verstehen, mit was wir es hier zu tun haben, wie dieses Virus funktioniert. Die Situation war aber für alle gleich: Das Virus war für jeden neu. Und so musste auch jeder andere Experte, der sich mit ihm beschäftigt hat, erst Daten für die Erforschung generieren. Die große Herausforderung war, möglichst schnell zu verstehen, wie man dieses Virus deaktivieren kann, und ob Menschen eine Immunität entwickeln können. Das waren die großen Unbekannten. Aber das Werkzeug, mit dem wir arbeiten, das Immunsystem, das verstehen wir wirklich sehr gut. Deswegen ist es uns nicht schwergefallen es zu nutzen, um diesen Gegner zu adressieren.

BI: Sie haben es anfangs schon erwähnt: Biontech hat sich — wie auch Curevac und Moderna — dann für einen mRNA-Impfstoff entschieden, der auf einem ganz anderen Prinzip basiert als die üblichen Impfstoffe. Warum?

Sahin: Weil das nach reiflicher Überlegung aus unserer Sicht der beste Weg ist, eine Pandemie zu adressieren. Die wissenschaftlichen und technologischen Eigenschaften dieser Technologie sprechen für sich. Für übliche Impfstoffe muss man Viren im Labor hochzüchten und dann mit diesen Viren Zellen infizieren in riesigen Zellkulturen, dafür braucht man sehr große Einheiten. Und der Prozess, der danach folgt, ist sehr, sehr aufwendig. Das können nur Firmen stemmen, die groß angelegt sind. Für einen mRNA-Impfstoff aber brauche ich, vereinfacht gesagt, zunächst einmal nur einen Bioreaktor von 50 Litern, mit dem ich die mRNA herstellen kann. Das ist das Tolle, weil es sehr gut skalierbar ist. Die Herstellung geht über Nacht. Man kann im Prinzip einen mRNA-Impfstoff innerhalb einer Woche herstellen. Hinzukommen die Qualitätsprüfungen, die noch einige Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Dieser Herstellungszyklus ist für einen Impfstoff extrem kurz. Und Schnelligkeit ist in einer Pandemie enorm wichtig.

BioNTech kauft neues Werk, um die Produktion des potenziellen Coronavirus-Impfstoffs zu steigern.

 BioNTech kauft neues Werk, um die Produktion des potenziellen Coronavirus-Impfstoffs zu steigern. Das Werk wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2021 voll funktionsfähig sein, teilte BioNTech in einer Pressemitteilung mit und wird seine bestehende hochqualifizierte Belegschaft von 300 Mitarbeitern nach dem Transfer von Novartis später in diesem Jahr. "In der vollen Produktion wird die Produktionsanlage die Kapazität von BioNTech zur Herstellung von Impfstoffen um etwa 750 Millionen Dosen pro Jahr oder mehr als 60 Millionen Dosen pro Monat erhöhen", sagte BioNTech.

BI: Sie haben hart an diesem Impfstoff gearbeitet. Gab es bei der Entwicklung entmutigende Momente? Und welcher war bisher der schönste?

Sahin: Ich bin froh, dass es für mich trotz aller Herausforderungen keinen entmutigenden Moment gab. Wenn etwas nicht auf Anhieb funktionierte, haben wir versucht, zu verstehen, was passiert ist, was wir daraus lernen und wie wir das Problem lösen können. Das ist wohl die Art, wie Wissenschaftler mit Hürden umgehen. Einer der Schlüsselmomente war, als wir im Mai die ersten Daten von Menschen gesehen haben, die unseren Impfstoff bekommen hatten. Sogar bei der kleinsten verabreichten Dosis gab es eine Immunantwort. Da wussten wir: Wir haben einen Impfstoffkandidaten, mit dem wir weiterarbeiten können.

BI: Könnte Ihr Impfstoff denn noch scheitern — wenn ja, woran?

Sahin: Es gibt keinen besonderen Nachteil der mRNA-Technologie, über den ich mir Gedanken mache. Alles, was wir wissen, spricht dafür, dass es funktionieren müsste. Es gibt aber immer das Unbekannte, was man nie ausschließen kann.

BI: Seit Beginn der Pandemie wird gerätselt, wie lange die Immunität nach einer Covid-19-Erkrankung hält. Was kann man inzwischen darüber sagen, wie lange der Impfschutz nach einer Immunisierung halten wird?

Sahin: Bald werden wir Daten für einen Zeitraum von sechs Monaten vorliegen haben. Sie stammen von den Probanden, mit denen wir die Tests mit dem Impfstoff begonnen haben. Dann können wir sagen, wie lange die potenzielle Impfstoffwirkung anhalten könnte.

BI: Es gibt Experten, die sagen, das Virus wird die Pandemie selbst beenden nämlich dann, wenn eine Herdenimmunität erreicht ist, wie etwa beinahe in Manaus, Brasilien. Was denken Sie darüber?

Impfung für alle ab Mitte kommenden Jahres: Soweit sind Biontech, Curevac und IDT bei der Entwicklung eines deutschen Wirkstoffes

  Impfung für alle ab Mitte kommenden Jahres: Soweit sind Biontech, Curevac und IDT bei der Entwicklung eines deutschen Wirkstoffes Um die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 voranzutreiben, fördert der Bund drei deutsche Unternehmen mit 750 Millionen Euro."Mit unserer Förderung versetzen wir die drei Unternehmen in die Lage, ihre Projekte breiter aufzustellen und schneller voranzukommen", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Sie gehe davon aus, dass Mitte kommenden Jahres "breite Teile der Bevölkerung geimpft werden können". Sie halte es sogar für möglich, dass ein Impfstoff bereits früher gefunden wird. "Sollte es schneller gehen, wäre es natürlich toll", sagte sie.

Sahin: Ich glaube nicht, dass wir auf akzeptable Art und Weise eine Herdenimmunität erreichen.  Man muss hier bedenken, dass wir in Europa eine ganz andere Altersstruktur haben, wo die Sterblichkeit massiv höher ist als in Regionen wie etwa fast überall in Afrika, wo das Durchschnittsalter bei 18 oder 19 Jahren liegt. Dort ist die Sterblichkeit auf Covid-19 bezogen nur ein bisschen höher als bei der Grippe — aber nicht viel höher. Das ist hier ganz anders. Wir wissen, dass die Sterblichkeit bei Menschen ab einem Alter von 70 Jahren dramatisch steigt. Und von diesen Menschen gibt es in Europa einfach viel mehr. Deswegen würden wir nicht in eine Herdenimmunität kommen, ohne mit massiven Konsequenzen rechnen zu müssen.

BI: Was glauben Sie: Inwiefern wird Skepsis gegenüber dem Impfstoff eine Herausforderung werden, wenn er da ist?

Sahin: Das ist tatsächlich keine einfache Frage. Es ist wichtig, dass wir transparent sind, was die Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes betrifft, samt möglicher Nebenwirkungen. Das müssen wir wiederholt und verlässlich kommunizieren, damit Menschen, die sich darüber Sorgen machen, sich informieren können und sich informiert fühlen. Die Impfung wird freiwillig sein, es ist keine Impfpflicht geplant. Bis Mitte 2021 wird es so sein, dass nicht jeder eine Impfung bekommen wird, der eine bekommen möchte. Zunächst wird es also mehr Nachfrage geben, als Impfstoff verfügbar ist. Nach diesem Zeitpunkt aber werden bereits Millionen von Menschen schon geimpft sein, wir werden noch mehr Daten zur Sicherheit haben, so dass Skeptiker auf einer guten Basis entscheiden könnten, ob sie diese Impfung wollen oder nicht. Am Ende des Tages muss jeder selbst diese Entscheidung treffen.

BI: Sprechen wir über Ihre: Wann würden Sie sich selbst impfen lassen?

Sahin: Ich würde mich natürlich gern so schnell wie möglich impfen lassen. Sobald der Impfstoff zugelassen ist, bin ich einer der Ersten, der das tun wird. Aber wir müssen natürlich sicherstellen, dass die Impfung zuerst bei den Menschen ankommt, die sie wirklich dringend brauchen: Das sind vor allem Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und das medizinische Personal.

BI: Vielen Dank, Herr Sahin.

Welche Trends sieht Ugur Sahin für die Zukunft? Und welche Herausforderungen muss Biontech noch meistern, bevor der Impfstoff bei den Menschen ankommt? Das verrät er beim Business Insider Trends Festival — und ihr könnt ihn dort live erleben.

  Biontech-CEO Ugur Sahin über den Corona-Impfstoff: © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland
sahin © Ugur Sahin/Biontech sahin

Durch Corona im Rampenlicht: So ist es BioNTech seit dem Börsengang vor einem Jahr ergangen .
Vor fast genau einem Jahr wagte das Mainzer Forschungsunternehmen BioNTech nach zwölf Jahren Unternehmensgeschichte den Sprung aufs Börsenparkett. Dabei wählten die Mediziner die US-Technologiebörse Nasdaq als neue Heimat ihrer öffentlichen Anteilsscheine. So ist es BioNTech seither ergangen. © Bereitgestellt von Finanzen.

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